Geschichte
Anfänge
Albanien, in der Landessprache Shqipëria, hat eine jahrtausend alte Geschichte. Erste Spuren von menschlicher Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Staates Albanien stammen aus der Altsteinzeit. Den Funden aus Xara südlich von Saranda und Gajtan bei Shkodra wird ein Alter von bis zu 100.000 Jahren zugeordnet. Für die Periode von etwa 30.000 bis 10.000 v. Chr. wurden rund ein Dutzend Siedlungsorte nachgewiesen. In der Antike waren der westliche Balkan und damit auch das Gebiet des heutigen Albanien von illyrischen Stämmen besiedelt, die vermutlich zu den Vorfahren der Albaner gehören.
600 v.Ch. – 14. Jh. n.Ch.
Seit dem 6. Jahrhundert vor Christus entstanden an der albanischen Küste griechische Kolonien. So sind zum Beispiel die Städte Lezha, Durrës, Apollonia und Butrint Gründungen griechischer Siedler gewesen. Anschließend folgten reichliche 2000 Jahre der verschiedensten Herrschaftszeiträume. Vom Byzantinischen Reich, über das Serbische Reich und die Venezianer bis hin zu vielen einzelnen Fürstentümern.
15. Jh. – 19. Jh.
Ende des 14. Jahrhunderts drangen die osmanischen Truppen zum ersten Mal in die albanisch besiedelten Länder vor. Skanderbeg, einem albanischen Fürsten gelang es dann 1444 einen Großteil der albanischen Fürsten für eine Front gegen die Osmanen zu gewinnen und diese von seiner Festung Kruja immer wieder zurückzuschlagen. Gjergj Kastrioti, wie sein bürgerlicher Name war, ist seitdem der Nationalheld Albaniens und Sinnbild für die Einigkeit und den Stolz des albanischen Volkes. Zehn Jahre nach seinem Tod gelang es schließlich den Türken die Festung einzunehmen und es folgte eine 400 jährige Leidensherrschaft durch die Osmanen. Erst gegen Ende des 19. Jh. entwickelte sich als Reaktion auf die anderen südosteuropäischen Nationalismen langsam ein albanisches Nationalbewusstsein. Die sozialen Voraussetzungen dafür waren denkbar ungünstig, denn es gab praktisch keine albanische Gesellschaft und Öffentlichkeit. Über 90 Prozent der Albaner konnten weder lesen noch schreiben und bis 1880 gab es keine Schulen mit albanischer Unterrichtssprache. Unter osmanischer Herrschaft war es verboten albanische Schriften zu drucken. Die jetzige Schriftsprache bestand faktisch nicht. So waren es vornehmlich Geistliche und eine schmale bürgerliche Schicht die versuchten eine albanische Nation zu etablieren.
Anfang 20. Jh. – 1913
Um 1900 herrschte durch die zunehmende Krise des Osmanischen Reiche blanke Anarchie in den Balkanstaaten. 1910 brach im Kosovo ein bewaffneter Aufstand gegen die osmanische Herrschaft aus, der sich im Laufe des folgenden Jahres auch nach Nordalbanien ausdehnte. Die Aufständischen wollten nun die staatliche Unabhängigkeit mit Waffengewalt durchsetzen. Als im Herbst 1912 der Erste Balkan-Krieg ausbrach, gerieten die Aufständischen in eine schwierige Lage. Hatten sie zuvor versucht, die türkischen Garnisonen im Land zu schwächen, so war es nun erforderlich wie diese gegen den Einfall der Armeen Montenegros und Serbiens in das albanische Siedlungsgebiet kämpfen, um einen nationalen Einheitsstaat zu erreichen, denn Serben, Montenegriner und Griechen planten, das albanische Siedlungsgebiet auf ihre bereits existierenden Staaten aufzuteilen. Nach kurzer Zeit jedoch hatten die Armeen dieser Staaten die Oberhand gewonnen. Ende November 1912 waren nur noch Shkodra und Ioannina in türkischer Hand; Kosovo und Teile Nordalbaniens waren serbisch beziehungsweise montenegrinisch besetzt; in Epirus standen die Griechen. In Durrës trafen serbische Verbände am 29. November 1912 ein. Nur ein relativ kleines Gebiet zwischen Elbasan im Norden und Vlora im Süden wurde von lokalen albanischen Gruppierungen kontrolliert. In dieser Situation entschloss sich die Führung der albanischen Nationalbewegung, die Erklärung der Unabhängigkeit nicht länger hinauszuzögern und am 28. November 1912 wurde in Vlora die Gründung des albanischen Staates ausgerufen. Am 30. Mai 1913 wurde Albanien auf der Londoner Botschafterkonferenz von den Großmächten anerkannt. Die Botschafterkonferenz hatte auch beschlossen, dass Albanien ein Fürstentum sein sollte. Zum Fürsten wurde der Deutsche Wilhelm Prinz zu Wied erhoben, der dieses Amt 1914 aber nur für wenige Monate ausübte.
1914 – 1944
Im 1.Weltkrieg geriet Albanien wieder zum Spielball der Großmächte und wurde besetzt von Österreichern, Franzosen und Italienern. Im Januar 1920 wird die staatliche Unabhängigkeit Albaniens wieder hergestellt. Die albanische Nachkriegsgeschichte verlief chaotisch. Bis 1939 bestimmt Ahmet Zogu das Geschehen in Albanien, der sich 1928 zum König krönen ließ. Unterbrochen nur durch die Versuche des orthodoxen Bischofs Fan Noli demokratische Verhältnisse zu schaffen. Mit Kriegsbeginn begann die italienische Besatzung, die 1943 durch deutsche Truppen fortgeführt wurde. Die Partisanen um den Kommunisten Enver Hoxha jubelten schließlich am 29.11.1944 als die Wehrmacht das Land verlassen hatte.
1945 – 1990
Am 2. Dezember 1945 fanden Parlamentswahlen statt, aus denen die KP als Sieger hervorging. Die wenigen Abgeordneten anderer Parteien wurden noch vor Ablauf der ersten Legislaturperiode ermordet. In der Anfang 1946 gebildeten kommunistischen Regierung war Enver Hoxha gleichzeitig Premier-, Außen- und Verteidigungsminister daneben auch Oberkommandierender der Streitkräfte und Generalsekretär der KP. Damit war nicht nur das kommunistische Regime, sondern auch die persönliche Herrschaft Hoxhas konsolidiert. Durch die Verfassung von 1946 wurden alle nichtkommunistischen Parteien und Vereinigungen verboten. Die freundschaftlichen Verhältnisse mit Jugoslawien enden 1948. Albanien findet in der Sowjetunion einen neuen Verbündeten, wird Mitglied im Rat für Gegenseitiger Wirtschaftshilfe und später im Warschauer Pakt. Streitigkeiten über den Kurs der UdSSR führten zum Ende der diplomatischen Beziehungen 1961. Es folgte 1968 die Anlehnung an Mao`s China. Albanien wird zum ersten atheistischen Staat, tritt aus dem RGW und dem Warschauer Pakt aus. In der Folge der chinesischen Reformen nach Mao`s Tod brach Albanien 1978 auch die Beziehungen zu China ab. Die totale Isolation, ähnlich zu vergleichen wie heute Nord-Korea, folgte bis zum Tod Hoxa’s 1985. 1986 versuchte der neue Staatschef Ramiz Alia zaghafte Annäherungsversuche an einige westliche und östlich Länder.
1990-heute
Im Herbst 1990 erreichte das Strohfeuer des untergehenden Kommunismus in Osteuropa auch Albanien. Die Demokratischen Partei wurde in Tirana gegründet. Dennoch war die Situation in Albanien wirr. 1991 folgte eine Flüchtlingskatastrophe, 25.000 Albaner kaperten in den Hafenstädten Schiffe um nach Italien zu emigrieren. Humanitäre Hilfe musste geleistet werden. Kurzzeitig konnte die Kommunistische Partei Albaniens durch gezielte Propaganda, besonders bei der Landbevölkerung, noch einmal die Macht an sich reißen. Das Religionsverbot wurde aufgehoben. 1992 übernahmen die Demokraten unter Sali Berisha die Regierung. Die Euphorie wich aber schnell, da die notwendigen Veränderungen nicht schnell genug vorankamen. Nicht desto trotz erwirtschaftete die Privatwirtschaft und die Zahlungen hunderttausender Auslandsalbaner eine große Menge Spareinlagen. Windige Geschäftemacher legten aber nur einen kleinen Teil in Sparkonten an. Es wurde ein Pyramidensystem errichtet, das dann 1997 zusammenbrach und die Spareinlagen vernichtete. In Folge dessen kam es zu Massenprotesten, genannt Lotterieaufstand, die in Anarchie endeten. Es herrschten kriegsähnliche Zustände. Unter anderem wurden Ausländer auch von Bundeswehr-Hubschraubern während der Operation Libelle außer Landes gebracht. In dieser ausweglosen Situation bat Albanien um eine militärische Intervention. Am 16. April 1997 landeten 6000 Soldaten mit UNO-Mandat unter italienischer Führung in Albanien und stellten die öffentliche Ordnung wieder her. Infolge der Neuwahlen konnte die Sozialistische Partei (ehemalige KP) als Sieger hervorgehen. Das Land beruhigte sich langsam wieder. Höchste Anerkennung verdient Albanien für die Aufnahme von über 300.000 Flüchtlingen, die 1999 infolge des Krieges im Kosovo vertrieben wurden. Eine derartige Belastung für ein so armes Land war immens. Seit 2005 regiert nun die Demokratische Partei unter Sali Berisha, der am 28.06.2009 erneut gewählt wurde. Albanien ist seit 01.04.2009 Mitglied der NATO und hat die Aufnahme in die Europäische Union am 28.04.2009 offiziell beantragt.
